Michael Heinrich

Shortlist BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2009

Solitär in der Landschaft – Wohnhaus BJ

Trippstadt

Michael Heinrich
Projekt
Solitär in der Landschaft - Wohnhaus BJ
Architekt
AV1 Architekten GmbH Dujmovic Schanné Urig
Bauherr
N.N. / BJ

Solitär in der Landschaft – Wohnhaus BJ

In Trippstadt-Langensohl steht in einem kleinen Neubaugebiet auf einem Eckgrundstück am Rand des Pfälzer Waldes ein Wohnhaus für eine Familie mit zwei Kindern.

Einfügung in die Topographie
Unter Ausnutzung der vorgefundenen topographischen Verhältnisse öffnet eine transparente Glasfuge das Haus in thematischer Umkehrung des massiven Sockels zum asphaltierten Spielhof und zur Strasse. Über kalkulierte Einschnitte in der schützenden Betonhülle tritt der Innenraum in einen inszenierten Dialog mit der Blumenwiese und dem Wald. Die Choreographie der Wege zum Haus und im Haus ermöglicht eine komplexe, universelle Wahrnehmung des Gartens und der Wald-Landschaft.

Über eine zweigeschossige Eingangshalle betritt man das Innere. Im Souterrain liegen neben einem Appartement für Gäste die Technik- und Depoträume. Eine einläufige Treppe erschließt das Erdgeschoß, dessen räumliches Zentrum der zweigeschossige Salon ist. Ein eingeschnittener Frei-Raum schafft überraschende und subtile Raumerlebnisse mit tages- und jahreszeitlich wechselnden Phänomenen, welche die Beziehung Architektur und Himmel, Innen- und Außenraum auf vielfältige Art intensivieren. Ein beweglicher Vorhang aus einem semi-transparenten Edelstahlgewebe lässt einen variablen Raum entstehen, der je nach Jahrzeit und Witterung offen zum Wald ist oder sich introvertiert zu den Innenräumen orientiert. Seitenlicht des Dachgarten, ein zum Himmel gerichteter kontemplativer Raum, belichtet die Treppe, die in das erste Obergeschoss führt. Eine Brücke mit Blick in den Salon verbindet räumlich die Flügel der Kinder und der Eltern, während der Luftraum der Halle die beiden Bereiche akustisch trennt.

Der Freiraum – Die Terrassen
Grosse, aus dem Beton des Hauses gegossene Körper spiegeln die Abmessungen der Öffnungen in der Fassade wider. Die Platten schweben leicht über der Wiese. Herausgeschnittene Volumen erzeugen Stufen zur fußläufigen Verbindung der unterschiedlichen Niveaus.

Selbstbewusst steht der Betonkubus am Ortsrand, vor der Kulisse des angrenzenden Waldes. Wohlproportionierte Einschnitte in die Kubatur des Baukörpers ergeben den Eingang sowie eine geschützte Hofterrasse. Die Wohnräume ordnen sich um die zentrale Wohnhalle an, beim „durchwohnen“ entsteht ein interessantes Geflecht von Innen- und Außenraumbeziehungen.

Sichtbeton als Cover
Vor Ort gegossener Sichtbeton als Cover, der durch einen fünfprozentigen Anteil aus Eisenoxid-Pigmenten eine Anthrazit – Farbe erhält, lässt das Haus vor dem Hintergrund des Waldrandes morgens im Frühnebel und abends während der Dämmerung nahezu vollständig verschwinden. Die äußere Stahlbetonschicht ohne Bewegungsfuge hängt über eine Konsole von der Oberkante der Stahlbetondecke des Daches ab, so dass sie sich bei temperaturbedingten Längenausdehnungen frei bewegen kann!

Inlay – Weiß und Schwarz
Im Gegensatz zu der anthrazitfarbenen Oberfläche des Covers als Hülle steht der Innenraum, dessen Raumbegrenzungen mit Decke, Wand und Fußboden weiß sind. Der Einsatz identischer Werkstoffe für alle Innenflächen, die Durchgängigkeit der Fassaden und Böden verstärkt den Eindruck räumlicher Verwebungen. Ein heller, chromatischer Raum wird zum lichten Ort für das Leben und das Wohnen. Es spannen sich im Haus verschiedene Membranen, Schichten und Programme auf, die in ihrer Anordnung und Materialität zu spezifischen Räumen und Raumerlebnissen von Überlagerung und Durchdringung führen.

Ökologie und Haustechnik
Das gedämmte Dach ist extensiv begrünt und verbessert das Mikroklima. Der auf der Dachfläche installierte Sonnenkollektor unterstützt die Warmwasserversorgung. Holzpellets als regenerative, nahezu Co2 neutrale Energiequelle aus dem benachbarten Pfälzer Wald sind der Brennstoff der Heizung.

Hauskonzept
In Zusammenarbeit mit mutigen, aufgeschlossenen Bauherren ist Wohnhaus entstanden, das sich mit Werkstoff Beton subtil in die landschaftliche Situation einbindet und sich als selbstbewusster Solitär nach Außen darstellt. Im Inneren ermöglicht die Choreographie der Wege eine komplexe, universelle Wahrnehmung der Innenräume, des Gartens und der Wald-Landschaft. Die Größe des Grundstücks wirkt atmosphärisch um Welten vergrößert – der Welt des Waldes und der Welt des Himmels.

Michael Heinrich
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BDA-Architekturpreis Rheinland-Pfalz 2009