Foto: Roland Halbe

Preisträger BDA PREIS BERLIN 2006

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Berlin

Foto: Roland Halbe
Projekt
Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Architekt
Eisenman Architects

Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ähnlich kontrovers wie während der langen Vordebatte des Denkmals für die ermordeten Juden Europas wurde in der Jury Peter Eisenmans letztendliche architektonische Leistung diskutiert. Von der Frage, ob es sich hier nicht eher um ein Werk der Skulptur als der Architektur handelt, bis hin zur Frage nach seiner Kraft, etwas so Ungeheuerliches wie den Holocaust vermitteln zu können, reichten die Konfliktpunkte der Diskussion unter den Juroren.

2711 dunkle Betonstelen unterschiedlicher Höhe hat Peter Eisenman nahe des Brandenburger Tores auf einem großen Feld positioniert. In strengen Reihen stehen sie auf ihrem wellenförmigen Untergrund und verweigern sich jeder konkreten Bildlichkeit. Ergänzt wird sein Stelenfeld um ein unterirdisches Dokumentationszentrum, den Ort der Information, vier 12 x 12 Meter großen Räumen, in denen Besucher etwas über den historischen Hintergrund erfahren.

Eisenmans Stelenfeld entzieht sich jeder Deutung. Er selbst nennt es „a cross of De Chirico, Kafka and death“ oder ein „placeless place“, ein körperlich-räumliches Manifest gegen die Blut- und Boden-Ideologie der Nationalsozialisten. Letztlich gäbe es „keine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern nur die lebendige Erinnerung der individuellen Erfahrung.“ Dazu lädt nun seine große Plastik ein, zum individuellen Betreten und Erkunden. Je nach Wetter- und Lichtverhältnissen vermittelt die sorgfältig ausgesuchte Materialität seiner kantigen Betonstelen einen anderen Eindruck. Als großer Friedhof, als steinernes Feld oder wogendes Meer inmitten der Großstadt kann dann sein Monument erfahren werden.

Doch ein Unbehagen über dieses Memorials bleibt. Allzu dimensionslos und artifiziell erschien es einigen Juroren, das räumlich eher enttäuscht, da sich zwischen den Stelen weder die ursprünglich intendierte Erfahrung der Vereinzelung, noch ihre Funktion als Vermittler des Ungeheuerlichen einstellt. Doch der Anlass seiner Erbauung wie auch die erneut in der Jury leidenschaftlich geführten Debatten lassen es als einen wertvollen Baustein der zeitgenössischen Kultur Berlins wie ganz Deutschlands erscheinen, die geradezu nach weiteren Auseinandersetzungen verlangen.

Foto: Roland Halbe
Foto: Roland Halbe

Preisträger

BDA PREIS BERLIN 2006 – Auszeichnung Architekturpreis Berlin 2006